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„Ich kann das ganz alleine“ - das sind die Worte eines stolzen Kindes, das nicht auf die Hilfe eines Erwachsenen angewiesen ist. Groß und stark sein, das ist sein Ziel, unabhängig und erfolgreich. So wünschen auch wir uns das Leben. „Am schlimmsten ist es, zunehmend auf Hilfe angewiesen zu sein“ – das sind die Worte einer alten Frau, deren Kräfte immer mehr nachlassen. Es fällt schwer, wenn man nicht mehr so kann, wie man gerne möchte, wenn man schwächer wird, abhängig, verletzbar.
„Nur keine Schwäche zeigen, sonst bist du verloren“ – so heißt es oft in unserem Alltag, in der Schule, im Beruf, in der Politik. Nicht ohne Grund leiden immer mehr Menschen am innerlichen Ausgebrannt-Sein, immer mehr Menschen sind den Anforderungen unserer Gesellschaft nicht mehr gewachsen. Der Druck wächst, immer der Beste sein zu müssen. Jeder ist seines Glückes eigener Schmied.
Gott sagt uns etwas ganz anderes: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2. Kor. 12,9). Dieses Wort ist die Losung, das Lebensmotto für das neue Jahr. Darin steckt ein großer Trost. Du brauchst nicht stark zu sein, musst nicht alle Fäden selber in der Hand halten. Das kannst du gar nicht. Lass Gott doch Raum für sein Wirken! Die Schwächen unseres Lebens gehören doch zu uns: unsere Ängste, Schuld, Zweifel, Scheitern, Krankheit, Hilfsbedürftigkeit. Keiner ist perfekt. Und keiner kann auf Dauer sein Glück selber schaffen. Wir dürfen auf die Gnade Gottes vertrauen. Er schenkt uns, was wir zum Leben brauchen, er sorgt für uns, er hilft uns, mit unseren Defiziten zu leben. Seine Liebe ist nicht abhängig von dem, was wir leisten können. Unsere Schwachheit ist kein Makel. Aber in ihr kann Gottes Kraft zur Entfaltung kommen, gerade da, wo wir Menschen nichts mehr erwarten.
„Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. Das macht uns wirklich innerlich stark und zuversichtlich! Und Gott selbst? Zu Weihnachten kommt er selbst ganz schwach und zerbrechlich auf diese Welt: Im Stall von Bethlehem. Er setzt sich der Zerbrechlichkeit des Lebens aus, damit seine Kraft in uns wachsen kann. Das wünsche ich Ihnen - im Advent, zu Weihnachten, im Neuen Jahr!
Ihre Pastorin Wiltraud Schuchardt
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